Katholische KindertagesstÀtte Sankt Augustinus in Berlin-Prenzlauer Berg


 

 

 

 

 

 

 


RĂŒckblick
 


 

 

 


 

 

Aus der Geschichte der Kita
AnlĂ€ĂŸlich des 75jĂ€hrigen Bestehens der Kita 2005

„Auch im Kindergarten war es ihnen vergönnt, manche Saatkörner christlichen Gehalts in den jugendlich frischen Boden zu streuen, die spĂ€ter im Glaubensleben zur Entwicklung kamen.“ So schreibt der Chronist der Marienschwestern ĂŒber deren TĂ€tigkeit in der DĂ€nenstraße. Wohl wĂŒrden wir heute andere Worte wĂ€hlen. Dass jedoch Erziehung und karitative TĂ€tigkeit Bestandteile des christlichen Lebens sind, ohne die unser Glaube nicht glaub-wĂŒrdig ist, steht auch fĂŒr uns außer Frage.

Der GebĂ€udeteil im zweiten Hof, hinter dem Pfarrsaal, wurde in einem Zuge mit den ĂŒbrigen GebĂ€uden auf dem KirchengrundstĂŒck errichtet und von den Schwestern ab dem 13. Januar 1930 als Kindergarten genutzt. Das umliegende Wohngebiet hatte damals mehr als doppelt so viele Einwohner wie heute, und sicher waren es sehr viel mehr Kinder. Reich waren sie allemal nicht. Schwester Regis, die die Einrichtung bis in die Kriegsjahre hinein leitete, begann mit der Betreuung von etwa fĂŒnfzig Kindern. Eine zweite Schwester war in dieser Zeit im Kindergarten tĂ€tig, und auch die Hauswirtschaft samt KĂŒche fĂŒr die Kinder wurde von einer Schwester erledigt.

Nach dem Krieg leitete die Einrichtung zunĂ€chst Schwester Heredina und dann ab 1952 Schwester Firmata. Sie kam mit mehr als dreißig Jahren Berufserfahrung zu uns und hatte hier zeitweise bis zu siebzig Kinder unter ihrer Obhut – nun auch unter Mithilfe nicht ordensangehöriger Erzieherinnen. In ihre Zeit fĂ€llt die Neugestaltung des Spielplatzes und der Bau des Badebeckens. Kurz vor ihrem Ruhestand konnte sie 1970 in unserer Gemeinde ihr goldenes OrdensjubilĂ€um feiern, ein großes Fest mit Alt und Jung. Über Schwester Firmata weiß die Gemeindechronik zu berichten: „Sie war sehr auf Sauberkeit aus; die Kinder mussten sich vor dem Nachhausegehen die Schuhe putzen und sich kĂ€mmen. Sie war energisch und warf auch mal einem Bösewicht den Schrubber nach...“ und: „Es war fĂŒr alle eine sehr schöne Zeit.“ Wer möchte das nicht von seiner Kindergartenzeit sagen dĂŒrfen.

Nach der Auflösung der Schwesternstation im Sommer 1970 ging die TrĂ€gerschaft auf die Pfarrgemeinde ĂŒber. Auch der Name „St. Augustinus“ wurde zu diesem Zeitpunkt ĂŒbernommen. Die Leitung ĂŒbernahm Frau Christa Engelmann (spĂ€ter verheiratet Kauffeldt), die seit 1968 hier als Erzieherin arbeitete. Sie leitete die KindertagesstĂ€tte bis zum Jahr 1980.

Im Zusammenhang mit der großen Hinterhofentkernung rund um den Arnimplatz in den spĂ€ten Siebzigerjahren fĂ€delte der damalige Pfarrer Franz Hellwig mit der Kommunalen Wohnungsverwaltung einen bis heute bestehenden Tausch ein: Das GebĂ€ude im Hinterhof der Schivelbeiner Straße 30, der so genannte Kuhstall, konnte nun vom Kindergarten genutzt werden. Im Gegenzug verpachtete man den an der Schivelbeiner Straße (1971-1993 Willi-Bredel-Straße) gelegenen Teil des Spielplatzes an eine Kinderkrippe. Das GebĂ€ude wurde zwischen 1978 und 1980 umgebaut und die obere Etage fĂŒr die Nutzung durch den Kindergarten gestaltet. DafĂŒr wurde der jetzige Kolpingraum an die Gemeinde abgegeben.

In der DDR gehörten konfessionelle KindergĂ€rten zu den wenigen Möglichkeiten außerhalb der Familien, Erziehung und Bildung auf christlicher Grundlage zu leisten. Als Einrichtungen, die pĂ€dagogisch und politisch vom sozialistischen Staat und seiner Ideologie frei waren, waren sie auch bei nicht christlichen Familien sehr beliebt.
1980 wurden im Kindergarten etwa 60 Kinder in vier altersgerechten Gruppen vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr betreut. Die Leitung der Einrichtung lag in den Achtzigerjahren zunÀchst in den HÀnden von Frau Margrit Utecht, dann von Frau Kerstin Ulbrich (spÀter verheiratet Kwapisz).

Nach der deutschen Vereinigung wurden PersonalschlĂŒssel und PlatzgrĂ¶ĂŸe pro Kind verĂ€ndert, sodass seit dieser Zeit die KindertagesstĂ€tte 45 Kinder beherbergen kann, betreut von fĂŒnf Erzieherinnen (davon eine Teilzeitkraft) unter Leitung von Frau Margrit Utecht, einer Wirtschaftskraft und einem Hausmeister, der einmal wöchentlich kommt. 1992 bekamen die RĂ€ume ein neues Gesicht mit SpielhĂ€usern und modernem Mobiliar. 1995 wurde dann, finanziert durch die Herzog-von-Arenberg-Stiftung, der Spielplatz neu gestaltet.

Ende der Neunzigerjahre erreichte der „Geburtenknick“ der neuen BundeslĂ€nder auch den Kindergarten: Es gab weniger Anmeldungen, und die Einrichtung musste sich nun auch fĂŒr jĂŒngere Kinder öffnen. Seit dieser Zeit arbeitet sie mit teilweisealtersgemischten Gruppen.

Um in Zeiten knapper Kassen AktivitĂ€ten und Bestand der Einrichtung stĂ€rker zu unterstĂŒtzen, wurde im Jahr 2003 ein Förderverein gegrĂŒndet. Zweimal im Jahr gibt es seitdem den Flohmarkt fĂŒr Kinderkleidung.

Ein besonderes Ereignis war das JubilĂ€um 2005: Die Einrichtung wurde vor genau 75 Jahren gegrĂŒndet. Im Januar feierten die Kinder den Geburtstag, im April gab es ein großes Ehemaligentreffen. Hilde Jahn hat als Kind das erste Jahr miterlebt und ist noch heute in der Pfarrgemeinde aktiv. Von ihr wurden zur Feier die folgenden Verse zu Gehör gebracht:

Um ĂŒber den Zeitraum von 75 Jahren zu berichten,
könnte man stundenlang etwas zusammendichten!

Ich habe von dem einiges auserwÀhlt,
was ich selbst erlebt und heut keiner erzÀhlt.
Wie es mir in de Jahren, den langen,
mit dem Kontakt zur Kita ist ergangen.


Als Erstkommunionkind - vor 75 Jahren -
hab ich erstmalig einen Kindergarten erfahren.
Nach Schulabschluss -
neugierig die vielen Kinder zu sehen -
ging ich zu Schwester Regis, um ihr zur Hand zu gehen.

Wobei? Beim Abwaschen - in drei SchĂŒsseln, echte Handarbeit!
Eine SpĂŒle, GeschirrspĂŒlmaschine,
total unbekannt zu dieser Zeit!
Beliebte Slogans schon damals waren
und hießen wie heute: Wir mĂŒssen sparen!

Das Essen in der Kita
kam pĂŒnktlich auf den Tisch.
Es schmeckte lecker
und war gekocht ganz frisch.
Unsere Marienschwestern kauften
und prĂŒften die Waren,
weckten ein, kochten, da klappte das Sparen!

1955 ich mein eigenes Kind hierher brachte.
Jetzt regierte Schwester Firmata, die alles bedachte.
Mit 30 Kindern ging's ĂŒber die Böse-BrĂŒcke,
streng achten, dass blieb ja keine LĂŒcke!!

Bei der Gemeinde in Tegel man Aufnahme fand,
fĂŒr DDR-Kinder glatt ein Schlaraffenland!
Köstliche Bewirtung - und praktische Ideen:
Jedes Kind konnte einen SchlĂŒpfer und Socken mitnehmen!

Was macht man, wenn einem vorm Zoll ist bange?
Schwester Firmata fackelte da nicht lange:
"Alles anziehen", befahl sie - ungelogen!
Welch' Arbeit, ehe 30 alles ĂŒbergezogen!

"Dass keiner jetzt schwatzt", der nĂ€chste Auftrag hieß.
Kein Kind verplappterte sich - und der Zoll uns durch ließ.
UngeplĂŒndert kehrten wir fröhlich zurĂŒck.
Die Eltern, die uns abholten, strahlten vor GlĂŒck!
Wer von Euch versteht es denn heut',
dass man sich ĂŒber SchlĂŒpper und Socken so riesig freut?

Manch' Lied, manch' Kunstfertigkeit lernte ich kennen.
Als Meisterin fĂŒr Deko-Kerzen konnt' ich FrĂ€ulein Engelmann nennen.

Wie eigenartig manch' Lebenslauf:
1981 kreuzte ich wieder in der Kita auf.
Mein Enkelsohn lebte sich gerad' dort ein,
um 17 Uhr durfte ich ihn holen heim.

Frau Utecht und ihr Team - ganz große Klasse.
FĂŒr Arbeitsmaterial aus dem Intershop war kein Geld in der Kasse.
Das Team scheut' keine Arbeit, es war gewitzt:
In Nachtarbeit alte Couverts aufgeschlitzt.
Die Kinder - das war der Erzieher Lohn -
bastelten aus dem Seidenpapier einen Lampion!

Was das doch fĂŒr karge Zeiten waren!
Aber man lernte nach wie vor das Sparen.
Man förderte die Kinder durch Anreiz, der gefÀllt,
verblĂŒffte nach der Wende den West-Caritas,
der glaubte, es geht nur mit viel Geld!

Ich weiß noch, wie Frau Utecht ausgerastet,
als man die QualitÀt ihres Teams angetastet.
Der persönliche Einsatz bei Kindern nur zÀhlt,
sonst ist auch mit Geld nichts zu schaffen, wenn der fehlt.

Besondere Beziehung zu Frau Doms ich dann pflegte.
Warum? Auch sie fĂŒr Musik ein Faible hegte,
war im Zupforchester auf der Mandoline fit.
Das juckte mich, ich lernte durch sie einfach mit,

dass auch die Gitarre manches in sich birgt,
wenn's durch Übung herausgeholt wird.
So konnten wir manch' Feier gestalten:
Die junge Frau zusammen mit der Alten.

Könnt' ich 75 Jahre zurĂŒck mal dreh'n
und wÀre - wie damals - noch jung und kleen,
ich wĂŒrde wieder in die Kita
von St. Augustinus geh'n!

Hilde Jahn, 2005


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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